Mittlerweile steht auch die Route für die Demonstration:

Los geht’s am Stachus mitten in der Innenstadt. Weitere zentrale Punkte der Demo sind:

Schillerstraße

In der Schillerstraße im Bahnhofsviertel verübten am 7. Januar 1984 Neonazis der „Gruppe Ludwig“ einen Brandanschlag auf die Diskothek „Liverpool“. Eine Person wird getötet und ca. 30 werden verletzt. In Italien beging die Gruppe weitere Anschläge und Morde. In Mailand töten sie 1983 mit einem Brandanschlag auf ein Pornokino sechs Menschen. In den Jahren zuvor hatten sie in Italien mehrere Morde begangen, die durch ihren Hass auf Sexarbeiter_innen, Homosexuelle, Sinti_izza und Drogenkonsument_innen motiviert waren. Der Anschlag auf das „Liverpool“ ist heute in München weitestgehend vergessen.

Oktoberfestmahnmal

Am 26. September 1980 platzierte Gundolf Köhler, Mitglied der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ eine Bombe in einem Mülleimer vor dem Haupteingang des Oktoberfests. Durch die Explosion wurden 13 Menschen, unter ihnen Köhler, getötet. Über 200 werden zum Teil schwer verletzt. Es ist der verheerendste nazistische Anschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das bayrische LKA und die Bundesanwaltschaft stellen die Ermittlungen nach zwei Jahren ein, mit dem Hinweis Köhler wäre Einzeltäter gewesen, der nicht aus neonazistischen Motiven gehandelt habe. Die Rolle der WSG Hoffmann, die etwa 400 Mitglieder und großes Waffenarsenal hatte, wird staatlicherseits nicht aufgeklärt. Die Einzeltäterthese wird seit Jahren von antifaschistischen Initiativen stark angezweifelt und die Wiederaufnahme der Ermittlungen gefordert. Diese Verharmlosung und Verdrängung des organisierten Naziterrors bei den Ermittlungen zum Oktoberfestattentat spiegelt sich auch in den Ermittlungen zur rassistischen Mordserie des NSU wider.

Justizzentrum in der Nymphenburgerstraße

Die Demonstration wird in der Nähe des Justizzentrums vorbei gehen. Dort wird der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Holger Gerlach, Carsten Schultze und André Eminger stattfinden. Der Gerichtssaal A101 wird viel zu klein sein, um eine breite Berichterstattung aus dem Prozess zu ermöglichen. Vor allem der Ausschluss griechischer und türkischer Medien ist dabei skandalös. Schon vor dem NSU-Prozess wurde antifaschistische Berichterstattung aus dem Gerichtssaal dadurch erschwert, dass die Ordnungskräfte bei Angriffen von Nazis auf kritische Journalist_innen innerhalb des Gerichts nicht
einschritten.

Königsplatz

Der Königsplatz steht stellvertretend für die Vielzahl nationalsozialistischer Spuren in München. Hier wurden in der Zeit des Nationalsozialismus die toten Putschisten des Hitler-Ludendorff-Putsches 1923 verehrt und hier fand 1933 auch die antisemitische Bücherverbrennung statt. Die besondere Rolle die München seit 1945 für Neonazis spielt, lässt sich nur verstehen, wenn man die historische Bedeutung Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“ und Ausgangspunkt des nationalsozialistischen Terrors miteinbezieht.

Innenministerium

Das Innenministerium steht stellvertretend für die rassistische Ermittlungspraxis im Fall des NSU. Die BAO „Bosporus“, die die polizeilichen Ermittlungen in der rassistischen Mordserie vor Bekanntwerden des NSU hatte ihren Sitz in Nürnberg. Durch die rassistischen Ermittlungen wurden die Opfer zu Tätern gemacht und diskreditiert, ihre Familien, Verwandte und persönliches Umfeld über Jahre überwacht und akribisch durchleuchtet. Der Rassismus der Polizeibehörden hat die Aufklärung der Mordserie verhindert, weil er die Möglichkeit rassistischer Motive nicht ernst nahm und Opfer und Angehörige diffamierte. Aber auch das bayrische Landesamt für Verfassungsschutz untersteht dem Innenministerium. Der Inlandsgeheimdienst hat bei den Morden des NSU mindestens weggesehen und durch seine Mitarbeiter_innen das direkte Umfeld des NSU finanziell und logistisch unterstützt. Gleichzeitig diffamiert und bespitzelt gerade das bayrische Innenministerium und der VS antifaschistische Initiativen und behindert diese in ihrer Arbeit. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Rolle von Geheimdiensten und Polizei bzgl. des NSU, das Ende der Bespitzelung und Diffamierung antifaschistischer und antirassistischer Gruppen, die sofortige Abschaffung des Inlandsgeheimdienst VS und ein Ende der rassistischen Ermittlungspraxis seitens der Polizei.

Enden wird die Demo am Marienplatz, mitten in der Münchner Innenstadt.